Traditionelle Christbaumgurken, vergessene Landschulen und die schönste Stadt zu leben

Ich muss mich korrigieren: Der Surf-n-Santa-5-Meilen-Lauf war toll! „I had a blast!“, sagt man hier in Amerika. Ein bisschen skurril war es zwar schon irgendwie aber als alle Läufer in ihren Kostümen am Start standen und eine wunderbar fröhliche Stimmung herrschte, fand ich das Ganze überhaupt nicht mehr peinlich. Es rannten sogar Rentiere mit und eine Smartmouth-Bierdose – unsere Freunde Kim und Porter haben am Freitag den neuen Standort ihrer Brauerei in Virginia Beach eröffnet (wofür übrigens ein ehemaliges Postgebäude umgebaut wurde). Angespornt von den Wichteln am Straßenrand und den hübschen Weihnachtsbeleuchtungen an der Strandpromenade bin ich sogar eine ziemlich gute Zeit gerannt und befand mich somit das Wochenende mehr oder weniger komplett im Endorphin – und naja, partybedingt auch im Alkoholrausch :-). „Traditionelle Christbaumgurken, vergessene Landschulen und die schönste Stadt zu leben“ weiterlesen

Enttäuschung mit Endorphinmangel

Ein grauer, kalter Novembertag und ich kämpfe damit, mich nicht zu sehr von trübsinnigen Gedanken plagen zu lassen. Am Montag hat sich eins meiner Gliedmaßen – mein rechter Arm – nicht besonders schlau verhalten und sich beim Brazilian-Jiu-Jitsu-Training schrecklich überdehnt und der Schmerz hat mir beinahe einen Kreislaufkollaps beschert. Meine volltätowierten, muskelbepackten Sportkollegen (fast alle sind Soldaten – ich habe also in den letzten Monaten nicht nur die Kunst des Bodenkampfs sondern auch schmutzige Witze und so manch vulgären Ausdruck gelernt :-)) waren dann alle sehr hilfsbereit und sehr nett mir gegenüber und jetzt tut der Arm nur noch ein bisschen weh. Aber ich werde deswegen wohl für eine Weile – wegen des Armbeugens leider auch mit dem Laufen – pausieren müssen. Akut drohender Mangel an Glückshormonen also! „Enttäuschung mit Endorphinmangel“ weiterlesen

Vom Fliegen, Erinnern und Kleiderschauen

Schaut man in Norfolk im Sommer in den Himmel, betört einen meistens ein klares, leuchtendes Blau. Oft kann man aber auch grelle, langgezogene Gewitterblitze beobachten, vor dicken schwarzen Regenwolken (solche heftigen Blitze habe ich noch nirgendwo sonst gesehen), und nicht selten einen Regenbogen. Oder segelnde Möwen und schwirrende Libellen (ich finde das englische Wort dafür wunderschön: Dragonflies). Das ganze Jahr über aber fliegen sehr viele Flugzeuge – militärische mit oder ohne Radar und auch zivile – über unseren Köpfen umher. Wir wohnen dazu noch ziemlich nahe am Norfolker Flughafen und wenn eine Maschine im Landeanflug ist, dann können uns die Insassen gewiss vom Garten aus Winken sehen. „Vom Fliegen, Erinnern und Kleiderschauen“ weiterlesen

Gänsehaut beim Tattoo

Irgendwann im letzten Sommer joggte ich an einem Sonntagmorgen am Strand entlang. Plötzlich ertönte von irgendwoher Lautsprechermusik. Die frühen Strandspazierer und ihre Hunde um mich herum blieben da auf einmal wie angewurzelt stehen und starrten ehrfürchtig geradeaus. Oder lächelten versonnen. Heute weiß ich, dass ich ein schrecklich respektloser Banause gewesen war, indem ich unbekümmert weiterrannte. Es war die amerikanische Nationalhymne, die da gespielt wurde. Sie weckt uns seither jeden Sonntag. Die Quelle der Musik hat sich mir bisher noch nicht ganz erschlossen; vermutlich kommt sie aber von der benachbarten Military Base. Die Nationalhymne wird hier in den USA zu allen möglichen Anlässen – ob vorm Spendenlauf an der Schule, vorm Baseballspiel oder eben sonntags in East Beach –  wie selbstverständlich gespielt. Die Etikette verlangt, dass man aufsteht und sein Baseball Cap absetzt. Viele Amerikaner legen sich beim Mitsingen sogar die Hand aufs Herz. Es beeindruckt mich immer wieder sehr und jetzt bleibe auch ich ehrfürchtig stehen und lächele versonnen, weil ich in diesem Land leben darf. Aber gestern habe ich zum ersten Mal dabei eine Gänsehaut bekommen! „Gänsehaut beim Tattoo“ weiterlesen

Bei den Red Sox!

Ich weiß nicht, was wir uns dabei gedacht haben :-), aber plötzlich steckten wir mit dem Cruise-America-Wohnmobil, im dicksten Stadtverkehr in Downtown Boston fest! Kurzfristig hatten wir uns im Internet unsäglich teure Karten für das Spiel der Boston Red Sox gegen die Pittsburg Pirates besorgt, welches am Donnerstag, den 13. April um kurz nach 2 im berühmten Fenway Park stattfand. Wir hatten natürlich auch nicht beachtet, dass bereits Stunden vorher im weiten Umkreis um das mitten in der Stadt liegende Stadion sämtliche Parkplätze garantiert keinen Platz mehr für ein 30 Feet großes RV (Recreational Vehicle) zur Verfügung haben und so einige Menschentrauben zum Spiel unterwegs sein würden. Ich bewundere Christian immer noch für seine Nervenstärke und Geistesgegenwart, wodurch wir das Wohnmobil dann doch in einer Nebenstraße in noch einigermaßen fußläufiger Entfernung zum Fenway Park abstellen konnten (und glücklicherweise dafür keine Parkknolle bekamen). Baseball ist für den Amerikaner wahrscheinlich so etwas wie Karneval für den Rheinländer. Man wächst damit auf und das Tolle daran, ist vor allem das ganze Drumherum, das Tamtam, die Mützen und das Bier. „Bei den Red Sox!“ weiterlesen