Vor dem Frühling

Den ganzen Tag hat es geregnet und es scheint niemals wieder aufzuhören. Auf Norfolks Straßen steht das Wasser. Es ist Ende Februar und ich glaube nicht mehr daran, dass wir hier in Tidewater Virginia noch einmal richtig Schnee erleben werden. Die Kinder sind traurig, aber da es in der Regel mit schulfrei verbunden ist, weil die Schulbusse nicht fahren, bin ich nicht ganz so böse drum. Außerdem kann ich die warmen Tage kaum erwarten – selbst das schwüle Klima hier! Dann blühen nicht nur Azaleen und Crape Myrtles wieder in voller Pracht, Monarch-Schmetterlinge segeln umher und Haare und Nägel und Haare wachsen wieder gut, dann kehrt die wunderbare Strandleben-Atmosphäre nach Norfolk und Virginia Beach zurück, in der es wieder überall nach Fisch und Barbecue duftet, man auf Dachterrassen Craft Beer trinkt, Klimaanlagen dröhnen und die Menschen über Boote fachsimpeln! Flipflops-Zeit! (Man muss allerdings dazusagen, dass für einige hier, diese das ganze Jahr über herrscht. Bibber!)

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Wechselwetter

Winterstimmung in Washington, D.C. Hier waren wir vor über zwei Jahren, als wir zum ersten Mal in Washington waren.

Es ist ein frostiger Sonntagmorgen aber davon bekomme ich nicht viel mit – ich sitze schläfrig und schwitzend in der überheizten Schwimmhalle; Gretas Wettkampf beginnt in wenigen Minuten. Wie immer bei Sportveranstaltungen werden wir vor Beginn innehalten, die meisten mit der rechten Hand auf der Brust; man blickt zur amerikanischen Flagge und die Nationalhymne wird abgespielt. Selbst wenn die Musik aus der Konserve kommt – immer irgendwie rührt es mich. Und irgendwie wird mir das fehlen, glaube ich. In den letzten Wochen ist Amerika jedoch wieder durch schwierige, bedrückende Zeiten gegangen (wenn man überhaupt sagen kann, dass es in den letzten zwei Jahren irgendwann einmal nicht bedrückend war). Der Government Shutdown, den die Trump-Regierung aufgrund des Finanzierungsstreits um die Mauer an der Mexikogrenze bereits im Dezember initiiert hatte – der längste in der Geschichte der Vereinigten Staaten – hat viele Familien in Verzweiflung getrieben und die Arbeit wichtiger Institutionen, wie des Wetterservices (in einem Land, das ständig von Naturkatastrophen bedroht wird), der Küstenwache und der Flugsicherheit, nahezu zum Erliegen gebracht. Flüge an der Ostküste wurden massenhaft gecancelt und in den Nationalparks sammelte sich der Müll.

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Südstaatenschönheit

Live Oaks Alley an der Wormsloe Historic Site in Savannah.

Ich kämpfe mit Schläfrigkeit, während ich die Sonne genieße, die mir durch die Windschutzscheibe auf die Nase scheint und die riesigen Billboards (Werbetafeln) neben der Interstate zur Kenntnis nehme, die hier in North Carolina übermäßig mit christlichen Botschaften bedruckt sind: In fetten Lettern, werde ich daran erinnert, dass Jesus mich rettet und dass ich meine Feinde lieben soll. Ich weiß gar nicht, ob ich Feinde habe, aber mir gefällt es immer wieder, bei unseren Reisen die Billboards zu studieren, die in jedem Bundesstaat etwas andere Schwerpunkte haben. Das nächste übergroße Schild preist einen Erotik-Superstore an und einige Tafeln erinnern sogar noch mit einem eindringlichen „VOTE!“ an die Midterm-Wahlen vom November… Wir sind auf dem Weg zurück nach Norfolk, die I-95 geht es nach Norden und diesmal läuft der Verkehr flüssig.

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Wo Forrest Gump war

Ice Skating in New York City.

Wir sind wieder unterwegs! Wie im letzten Jahr und auch im Jahr davor ist die Weihnachtszeit in Amerika für uns Reisezeit. In der kurzen Zeit, die wir in den USA leben, haben wir wohl mehr Orte gesehen und mehr Meilen zurückgelegt als die meisten seiner Einwohner und die meisten unserer amerikanischen Freunde und Bekannten. Ich sage dann oft, dafür ist unsere Zeit in diesem Land nur begrenzt und eines Tages wird es wieder einen Flug von Europa brauchen, um hier sein zu können. Und vielleicht die Abwägung, ob wir es uns leisten können und wollen oder ob wir nicht dann doch ein anderes Ziel ins Auge fassen… (Ich hoffe jedoch, uns werden Sehnsucht, Neugier und Freundschaften in erster Linie immer wieder hierher zurückbringen.) Aber ja, wir sind gewissermaßen privilegiert und haben hier und jetzt Möglichkeiten, für die ich sehr dankbar bin. Im Büro haben wir den 24. Dezember ausnahmsweise in diesem Jahr freibekommen. Dank meiner flexiblen Arbeitsbedingungen jedoch (Christian genießt ja seine deutsche Urlaubsregelung) können wir die schulfreien Tage zwischen Weihnachten und Neujahr nutzen, um noch einige Punkte auf unserer Bucket List abzuhaken. Und auf dieser steht noch Savannah, Georgia. Da wo Forrest Gump auf einer Bank seine Geschichte erzählt hat und Pralinen verteilte. Eine Südstaatenstadt von der jeder, den wir gefragt haben, begeistert ist. Knapp acht Stunden beträgt die Autofahrt von Norfolk, es ist sonnig und ich bin guter Dinge. Christian ist etwas vom vielen Verkehr genervt – Weihnachtsreisende wie wir. In Savannah ist zwar Regen angekündigt aber immerhin werden es um die 20°C sein!

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Wertvolle Stunden

In den Häusern in unserer Neighborhood leuchten nicht nur ab frühmorgens riesige Fernsehbildschirme, sondern seit diesem Wochenende auch Weihnachtsbäume. Die Thanksgiving Holidays sind vorüber und nun verwandelt sich unsere Siedlung langsam wieder in ein Weihnachtswunderland. Unsere Herzen schlagen höher und ich werde ein bisschen nervös: Werden wir rechtzeitig Zeit finden, unseren Baum zu kaufen und zu schmücken? Clara meckert ein bisschen – sie möchte den Christbaum erst kurz vor Weihnachten aufstellen – wie in Deutschland – und Geschenke am Heilig Abend. Ich bin jedoch nicht kompromissbereit: So können wir es für den Rest unseres Lebens machen, wenn wir wollen. Aber JETZT sind wir noch hier. Und so werden wir Weihnachten feiern auf amerikanische Weise… „Wertvolle Stunden“ weiterlesen