Jeffersons Liebe zur Architektur

Wo die Blue Ridge Mountains in sanftes Hügelland übergehen, nahe der Universitätsstadt Charlottesville liegt Monticello. Das idyllisch im Weinanbaugebiet Virginias gelegene „Berglein“ hatte sich Thomas Jefferson (1743-1826), dritter Präsident der Vereinigten Staaten und Autor der Unabhängigkeitserklärung als idealen Ort für seinen Wohnsitz sowie sein architektonisches Lebensprojekt und Vermächtnis auserkoren. Multibegabt und -interessiert wie Goethe entwickelte Jefferson die mit einer Vielzahl kluger Details ausgestatteten Entwürfe für das Herrenhaus im Zentrum der 20 Quadratkilometer großen Plantagenanlage selbst. Villen von Palladio und die Kuppelhalle des Hôtel de Salm in Paris inspirierten ihn, mehr als 40 Jahre lang war Monticello eine Baustelle. Sklaven arbeiteten nicht nur auf der Plantage und als Hausangestellte, sondern wurden auch in den verschiedensten Baugewerken ausgebildet, um unter Anleitung Jeffersons und begabter Handwerker u.a. aus Irland die Bauarbeiten an seinem „architektonischen Vermächtnis“ verrichten zu können.

Der Erhalt der beeindruckenden Anlage, die heute zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, ist Zufällen und der 1923 gegründeten Thomas Jefferson Foundation zu verdanken. Leider ist von den einstigen Sklavenhütten und -Arbeitsstätten auf der Plantage nur noch wenig Originalsubstanz erhalten, ein Teil wurde rekonstruiert. Der üppig angelegte Blumen- und Gemüsegarten sowie der, vorbei an dem kleinen Friedhof der Jefferson-Familie und ehemaligen Kokereien, sich den Berg hinaufwindende Fußweg, vermitteln jedoch trotzdem ein Gefühl für das Leben auf der Plantage im 18. Jahrhundert… Im Mountaintop Project fassen sich die verschiedensten Ausgrabungen, Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten, Forschungen sowie die Planung einer Gedenkstätte für die Sklaven auf Monticello zusammen. Wie auf monticello.org u.a. berichtet wird, hat man inzwischen auch die Annahme, dass Jefferson der Vater einiger Kinder der Sklavin Sally Hemings war, genetisch bestätigen können.

Man kann, wenn man möchte, die vielseitige Welterbestätte über Twitter, Facebook und verschiedene Apps kennenlernen :-). Oder man besichtigt sie – ganz klassisch – im Rahmen von wirklich gut gemachten Führungen zu unterschiedlichen Themen (zum Beispiel zum Herrenhaus, zu den Gartenanlagen oder zur Sklaverei auf Monticello). Sicherlich stellt die jährliche Besucherzahl von über 400.000 Menschen dabei auch eine Kraftprobe für die Anlage dar. Aus meiner Sicht architektonisch sehr gelungen, ist das pavillonartige, sich zeitgenössische in die Umgebung der Denkmalanlage einfügende, und in Naturstein und Holz ausgeführte Rubenstein Visitor Center and Smith Education Center. Es befindet sich am Fuß des Berges unweit des African-American Graveyard.

Rest des Joiner’s Shop (Arbeitsstätte des Tischlers).

Die National Geographic Society hat übrigens einen sehr ansprechend gestalteten, ausführlich recherchierten und informativen Führer zu Jeffersons Leben und Wirken sowie der baulichen Anlage Monticello herausgebracht, den ich an dieser Stelle gerne empfehlen möchte: Monticello: The Official Guide to Thomas Jefferson’s World, ISBN 978-1-4262-1507-0.