Im neuen Licht

Einige Wochen haben mich private Dinge in Beschlag genommen, aber nun wird es Zeit, endlich wieder einige Zeilen zu Virginias kulturellem Erbe zu schreiben. Im November in stürmischen Zeiten und kurz vor Thanksgiving und Weihnachten können nicht genug Licher erstrahlen und so scheint mir das Paramount Theater in Charlottesville jetzt genau das richtige Thema. Das Kino wurde 1931 eröffnet und „überlebte“ bis ins Jahr 1974. Kurz darauf begannen jedoch schon die Bemühungen um die Sicherung des Gebäudes, so dass glücklicherweise die überkommene Substanz weitgehend erhalten blieb. Nach vielen Jahren der Spendenaquise und Restaurierung konnte das Theater im Dezember 2004 – nun als lokales Perfoming Arts Center – der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Und so fand im letzten Monat auch die jährliche Denkmalpflegekonferenz von Virginia hier statt. In diesem Rahmen erhielt die Firma, die „the Blade“, den markanten vertikalen Paramount-Leuchtschriftzug, restaurierte, eine Auszeichnung. Das Kino hatte seit seiner Wiedereröffnung zehn Jahre lang ohne ihn auskommen müssen. Auch hier gelang die Wiedererrichtung der Lichtreklame nur durch bemerkenswertes bürgerliches und lokales Engagement und den immensen Einsatz von Spendengeldern. Leider handelt es sich nicht mehr um den eigentlichen bauzeitlichen Schriftzug sondern um eine Kopie; mit LEDs wurde er an die heutige Zeit angepasst. Auch die Restaurierung des Kinos selber ist für meine Begriffe ein wenig zu „glatt“ erfolgt, Altersspuren sind kaum wahrnehmbar. Die unverfälschte Architektur und beeindruckende Ausstattung vermitteln die Geschichte und den historischen Raumeindruck des Gebäudes jedoch trotzdem. Und nicht zuletzt, denke ich, zählt vor allem der Fakt, dass das Paramount nach wie vor – und sicher gerade aufgrund der starken öffentlichen Beteiligung an seiner Restaurierung – einen wichtigen Teil örtlicher Identität darstellt…

  

Auf dem historischen Foto zeigt sich, dass der Städtebau um das Paramount ursprünglich ganz anders, und irgendwie „amerikanischer“ war. Doch C’villes Halprin Mall aus den 1970er Jahren (siehe Bild oben) funktioniert – als eine der wenigen in den USA – und besitzt inzwischen aufgrund der hohen landschaftsarchitektonischen Qualität ebenfalls Denkmalwert…
Man kann sich gewiss fragen, ob der historisierende Notausgangsschriftzug die reine denkmalpflegerische Lehre darstellt. Ich finde es aber in diesem Fall ein durchaus dem Raum angemessenes und damit weniger störendes Detail.