Weit weit weg…

amerika-sm

Amerika war immer unser Traum gewesen. Nicht unbedingt da leben sicher, aber reisen wollten wir dahin! Lange bevor wir uns kannten waren wir jeder mal kurz da gewesen, noch nie aber gemeinsam. Nun waren die Kinder nicht mehr so klein, das Geld stimmte einigermaßen und ich googelte USA-Flüge. Da überbrachte Christian mir die „gute“ Nachricht, dass ich nicht mehr nach günstigen Flügen suchen müsse, denn er würde voraussichtlich nach Norfolk, Virginia versetzt werden und wir würden – mal wieder – umziehen.  Die „schlechte“ Nachricht war, es würde in weniger als einem Jahr losgehen. Das war im Herbst 2015.

Ich fasste diese Neuigkeiten eher mit gedämpfter Begeisterung auf. Sicher war es toll. Wer bekommt schon die Möglichkeit? Die mögliche alternative Stellenaussicht für Christian war nicht wert, sie überhaupt in Betracht zu ziehen. Eine riesen Chance für die Kinder und für uns als Familie ein neues großes Projekt. Aber das war es ja gerade: Wieder-ein-neues-Projekt! Gerade hatte sich aber doch unser Leben so schön eingeschaukelt. Nach vielen unruhigen Jahren und Neuanfängen durch Umzüge, Jobwechsel, Familienzuwachs und Masterstudium dümpelte es nun gemütlich im Berliner Speckgürtel dahin und wir hatten hier inzwischen einen großen liebgewonnenen Freundes- und Bekanntenkreis. Ich war zufrieden. Schon wieder ein Aufbruch? Wieder von vorn anfangen? Und was würde sein, wenn wir zurückkommen? Auch die Kinder hatten keine große Lust umzuziehen.

Glücklicherweise fügte sich vieles, so dass sich der Aufbruch im Sommer 2016 eher wie der Beginn einer sehr langen Auszeit sehr weit weg anfühlte, als wie ein Abschied für immer. Trotzdem waren die letzten Wochen vor dem Umzug – besonders für uns Mädels – eine sehr emotionale Zeit. Aber wir würden ja wiederkommen und hoffentlich – um einige Jahre und Erfahrungen reicher zwar – dort anknüpfen können, wo wir in Deutschland aufgehört haben.

Und dann Virginia: Natürlich hatte ich mich bald informiert. Der Südstaat Virginia, the Old Dominion State, lag nicht nur am Meer, sondern war auch reich an Geschichte. Wir würden an die Chesapeake Bay in die Hampton Roads-Region ziehen und damit u.a. nicht weit entfernt von wichtigen Schauplätzen der Kolonialisierung der neuen Welt und des amerikanischen Bürgerkrieges wohnen. Virginia war außerdem das Land des Tabaks, der Äpfel und des Weins. Von Norfolk aus war Washington D.C. in einem Tagesausflug zu erreichen. Außerdem lief der Appalachian Trail ein Stück durch Virginia. Es würde also ein schöner Ort zum Leben sein. Nun also Virginia!

lovers-sm