Bei den Red Sox!

Ich weiß nicht, was wir uns dabei gedacht haben :-), aber plötzlich steckten wir mit dem Cruise-America-Wohnmobil, im dicksten Stadtverkehr in Downtown Boston fest! Kurzfristig hatten wir uns im Internet unsäglich teure Karten für das Spiel der Boston Red Sox gegen die Pittsburg Pirates besorgt, welches am Donnerstag, den 13. April um kurz nach 2 im berühmten Fenway Park stattfand. Wir hatten natürlich auch nicht beachtet, dass bereits Stunden vorher im weiten Umkreis um das mitten in der Stadt liegende Stadion sämtliche Parkplätze garantiert keinen Platz mehr für ein 30 Feet großes RV (Recreational Vehicle) zur Verfügung haben und so einige Menschentrauben zum Spiel unterwegs sein würden. Ich bewundere Christian immer noch für seine Nervenstärke und Geistesgegenwart, wodurch wir das Wohnmobil dann doch in einer Nebenstraße in noch einigermaßen fußläufiger Entfernung zum Fenway Park abstellen konnten (und glücklicherweise dafür keine Parkknolle bekamen). Baseball ist für den Amerikaner wahrscheinlich so etwas wie Karneval für den Rheinländer. Man wächst damit auf und das Tolle daran, ist vor allem das ganze Drumherum, das Tamtam, die Mützen und das Bier.

Vor dem Spiel mit anderen Fans noch Pizza essen und Schulbusse beobachten, die Schüler zum „Education Day“ zum Baseball bringen. Diese singen später die Nationalhymne im Stadion vor.

Wir haben uns anstecken lassen :-)! Unsere Nachbarn in Norfolk hatten uns den Floh ins Ohr gesetzt, dass man in Boston auf jeden Fall ein Baseballspiel besuchen müsse und somit können wir nun wieder etwas auf unserer To-Do-Liste abhaken. Die Stimmung in diesem wunderbar nostalgischen Stadion war fröhlich, familiär und relaxt; auch nach Spielbeginn schlenderten Menschen noch gemütlich zu ihren Sitzplätzen während Jungs in kurzen Hosen und gelben T-Shirts (bei höchstens 14 °C!) 10-Dollar-Hot-Dogs (!) und quietschblaues Cotton-Candy verkauften. Selbst die Kleinsten trugen selbstbewusst ihr Fan-Outfit und auch wir sind nun alle stolze Besitzer einer originalen (absolut überteuerten) Red-Sox-Baseball-Kappe. So ein Baseballspiel kann ziemlich lange dauern (und auch ein bisschen langweilig werden – Clara und ich gaben uns jedoch alle Mühe, die Regeln zu verstehen). Und weil es – wie wir feststellten – in Neuengland im April noch ziemlich kühl sein kann, entschieden wir uns nach etwa anderthalb Stunden dafür, das Stadion zu verlassen und zur Aufwärmung noch einen Stadtrundgang durch Boston zu machen. Später erfuhren wir, dass die Red Sox im letzten Inning noch in Führung gegangen waren (Christian hat mich aufgeklärt: ein Inning sei keinesfalls eine Runde! Ich verstehe nicht so ganz wo der Unterschied ist :-), gemeint ist jedenfalls ein Spielabschnitt). Es war ein tolles Erlebnis, definitiv ein Highlight auf unserer Reise!

Downtown Boston.
Boston Common.

In Boston liefen außerdem die Vorbereitungen für den Boston Marathon, ein Mann auf unserem Campingplatz war extra die ganze Strecke von Kalifornien nach Massachusetts gefahren, um seinen Schwiegersohn anfeuern zu können. Das nenne ich mal familiären Zusammenhalt! (Wobei sich die eigene Perspektive gegenüber Entfernungen in diesem Land tatsächlich verändert –  wenn ich morgen Gold finden kann, warum soll ich dann nicht die ganze Nacht hindurchreiten?)

Downtown Boston.
Abendstimmung an der Waterfront in Boston.

Bei strömendem Regen hatte unser Weg von New York State nach Boston zuvor noch am Shaker-Village Hancock vorbeigeführt – eine Art Freilichtmuseum und Mitmachfarm. Die Shaker sind eine für ihre wohlorganisierte, zölibatäre Lebens- sowie schlicht-funktionale, handwerklich hochwertige und wohlgestaltete Bauweise berühmte Glaubensgemeinschaft und waren Mitte des 18. Jahrhunderts als eine Quäkersplittergruppe in die USA eingewandert. Leider sollte das Village erst Ostern wieder öffnen aber die Gebäude, von denen ich bisher soviel gelesen hatte, selber einmal sehen zu können und die Weiterfahrt durch ländlich-pittoreske Ortschaften in Massachusetts war den Abstecher trotzdem wert!

Leuchtturm von New Haven.

Die Rückfahrt am Karfreitag war seeehr lang. Immer der Interstate 95 in Richtung Süden folgend, sechs Bundesstaaten passierend, vorbei an Industrien sowie eindrucksvollen Küstenabschnitten und bekannten College-Städten in Neuengland ging es nach Washington. Wir posierten vorm Leuchtturm und inhalierten den Spirit der berühmten Yale University als wir zum Mittag in New Haven Pause machten…

Campus von Yale.

Als wir am Samstagnachmittag wieder in Norfolk ankamen, hatten wir den Eindruck, der Frühling hat sich in der einen Woche, die wir unterwegs waren, richtig ins Zeug gelegt – alles erschien uns viel grüner, blühender und üppiger. Und bei wunderbaren 26 °C haben wir uns gestern zum ersten Mal in diesem Jahr am neuen breiten Strand in East Beach gesonnt und im noch kneippkalten Meer gebadet. Wir waren selbstverständlich nicht die Einzigen mit dem Gedanken am sonnigen Ostersonntag – „hier bin ich Mensch, hier darf ich sein“.

Für die Kinder hat heute die Schule wieder begonnen. Ostermontag ist in den USA kein Feiertag. Damit ist die Osterzeit in Norfolk schnell vergangen. Die Egg Hunts hier haben wir verpasst, weil wir auf Reisen waren, der Goldhase von Lindt hat hier kein Glöckchen und die Osterdekoration, die es in den Geschäften zu kaufen gab, war mir in den meisten Fällen zu glitzrig und kitschig. Unsere Spring Break war aber ein Testlauf für die große Rundreise im Sommer und sie hat folgende Erkenntnisse geliefert: Ja, wir halten es gemeinsam im engen Wohnmobil aus :-). Wir haben jedoch einiges vergessen (zum Beispiel Brennholz fürs Lagerfeuer). Ja, wir werden sehr, sehr viel Autofahren! Schilder, die es Trailern untersagen, bestimmte Straßen zu benutzen, sollte man ernst nehmen (um nicht den Verkehr durch ein Wendemanöver zu blockieren, weil die Brücke zu niedrig ist). Marta wird es wohl eines Tages zu Vermögen bringen! Sie hat sich darauf spezialisiert, an allen möglichen Touristenplätzen Pennies und Quarters  zu finden. Ihre einwöchige Schatzsuche war sehr erfolgreich :-). Und in den nächsten Osterferien möchten wir auf jeden Fall in den Süden, wo es warm ist!

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