Nach dem Schneesturm

Letztes Wochenende intervenierte der sonst eher milde Winter in Virginia kurz mit einem Blizzard. Der Schneesturm war ein willkommener Anlass, um mit unseren Nachbarn die letzten Weihnachts-Glühweinvorräte aufzubrauchen! Sie borgten uns dafür einen Schneeschieber (unserer war ja in Deutschland geblieben). Marta und Greta funktionierten vergnügt das Skateboard als Schlitten (der war ja auch in Deutschland geblieben) und die Treppe am Carriage House (dem Gästezimmer über der Garage) als Rutschbahn um (einen Rodelberg gibt’s hier ja auch nicht).

Schneesturm in East Beach
Wintermeer

Da die Schulbusse bei den Straßenverhältnissen nicht fahren konnten, bekamen unsere Kinder zu ihrer Freude drei extra Ferientage. Doch die fast 20°C, die dann bereits am Donnerstag wie ein Frühlingsvorbote wirkten, gaben auch dem letzten Zipfelchen Schnee keine Chance mehr liegenzubleiben. So packen wir die dicken Wintersachen erst einmal wieder weg. Vermutlich werden wir sie in diesem Jahr auch nicht mehr brauchen… Die extra Tage Schulfrei müssen übrigens nun, o Jammer – so kam inzwischen die Nachricht von Norfolk Public Schools – mit anderen Ferientagen, die in diesem Jahr noch angestanden hätten, „bezahlt“ werden. Das Leben ist schon hart :-)!

Der Januar beginnt außerdem mit den wichtigen Wochen um Claras High-School-Bewerbung (und so manch zu führender Diskussion zwischen einem Teenager und seinen Eltern…), verspätet eintreffender aber freudig erwarteter Weihnachtspost aus Deutschland und meiner zerknirschten Feststellung, dass ich dem guten Vorsatz, jetzt wieder regelmäßig morgens Laufen zu gehen, noch nicht ganz nachgekommen bin. :-/ Immerhin habe ich jetzt endlich meinen amerikanischen Führerschein! Monate hat es gedauert und letztendlich gelang es nur mit dem Legal Office des NATO Headquarters, alle nötigen Unterlagen zusammen zu bekommen, damit mein Antrag endlich bewilligt werden konnte. Das war so nervig und frustrierend, dass sich meine Freude darüber, den Führerschein-Brief vom DMV dann endlich im Briefkasten zu finden, einigermaßen in Grenzen hielt. Allerdings ist die kleine Karte, die hier auch als Ausweis (ID) gilt, im Alltag absolut praktisch! (Zum Beispiel konnte ich mich in dieser Woche in der Bibliothek mit meiner Driver’s License ausweisen und musste nicht erst umständlich meinen Reisepass herausnesteln.)

Endlich Mensch in den USA: Praktische kleine Karte!

Während unser neues Jahr hier in den USA ansonsten bisher relativ entspannt und guter Dinge dahinplätschert, bereitet sich das Land auf den großen Tag in der nächsten Woche vor, wenn der President-elect, Donald Trump, als neuer Präsident vereidigt wird. Im Radio, bei CNN und in der Washington Post verfolge ich – mal mehr, mal weniger beunruhigt – diverse Berichte, Debatten und Kommentare zu den bevorstehenden vier Jahren. Man fragt sich, was – wie – Amerika dann sein wird… Great again? Über eins scheinen sich alle einig zu sein: Es werden interessante Jahre werden. Obamas Abschiedsrede live im Fernsehen zu sehen, war jedenfalls sehr bewegend – ich hatte Gänsehaut. Und das, was ich inzwischen von diesem Land ins Herz geschlossen habe – seine Weite, seine (manchmal auch ruppige und banale) Schönheit, seine Musik, seine Pluralität und wunderbaren Menschen, die Art zu reden und zu scherzen – das, glaube ich, werden auch vier Jahre unter einem etwas anderen Vorzeichen nicht verändern können.

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