Südstaatenschönheit

Live Oaks Alley an der Wormsloe Historic Site in Savannah.

Ich kämpfe mit Schläfrigkeit, während ich die Sonne genieße, die mir durch die Windschutzscheibe auf die Nase scheint und die riesigen Billboards (Werbetafeln) neben der Interstate zur Kenntnis nehme, die hier in North Carolina übermäßig mit christlichen Botschaften bedruckt sind: In fetten Lettern, werde ich daran erinnert, dass Jesus mich rettet und dass ich meine Feinde lieben soll. Ich weiß gar nicht, ob ich Feinde habe, aber mir gefällt es immer wieder, bei unseren Reisen die Billboards zu studieren, die in jedem Bundesstaat etwas andere Schwerpunkte haben. Das nächste übergroße Schild preist einen Erotik-Superstore an und einige Tafeln erinnern sogar noch mit einem eindringlichen „VOTE!“ an die Midterm-Wahlen vom November… Wir sind auf dem Weg zurück nach Norfolk, die I-95 geht es nach Norden und diesmal läuft der Verkehr flüssig.

In Savannahs Historic District.

Mein Lonely-Planet-Reiseführer hatte Savannah als die „Südstaatenschönheit mit einer blauen Strähne im Haar“ beschrieben und ich finde, das trifft es ziemlich genau: Natürlich haben wir uns vom romantischen Flair der historischen Altstadt Savannahs mit den vielen grünen Plätzen (Squares), Springbrunnen, viktorianischen Wohnhäusern mit ihren aufwendig gestalteten schmiedeeiserne Balkonen, Geländern und Gartenzäunen sowie den unzähligen, mit Spanischem Moos behangenen, Lebenseichen verzaubern lassen. Wir beobachteten fasziniert das wuchtige Containerschiff, welches sich an Savannahs Flusspromenade entlangquälte und liefen über Gehwege, die mit einem exotisch wirkendem betonartigen Muschelbelag (tabby – ein im Süden üblicher, historischer Baustoff) versehen waren. Wir genossen flanierend die Entspanntheit des Südens und im nächsten Moment dröhnte ein offener Partywagen mit lauter, fröhlicher Diskomusik an uns vorbei. An der Hotelbar machten wir Bekanntschaft mit einem etwas verschrobenem, jungen Bienenzüchter sowie einem Polizisten aus Atlanta, der nach 20 Jahren immer noch sehr verliebt in seine Frau war. Er bemühte sich, uns allerlei Ratschläge für eine gute Ehe zu geben – die waren mir jedoch zu konservativ :-).  

Schmiedeeiserner Springbrunnen am Lafayette Square in Savannah.

Natalie, eine in Savannah lebende Freundin aus meiner Zeit mit HistoriCorps, die wir mit ihrem Mann zum Abendessen trafen, meinte, man würde es nur im Winterhalbjahr gut in der Stadt aushalten. Im Sommer sei es viel zu heiß und voll von Touristen. Und Christian fand, die Leute hier nehmen die Spukgeschichten in „America’s most haunted city“ ein bisschen zu ernst. (Abendliche Geister-Touren sind in Savannah eine beliebte Touristenattraktion.) Ich denke allerdings, der Süden wäre nicht das Gleiche ohne seine Geister. Oder die Sümpfe und wunderbaren Eichenalleen. Und die Kultur und Sprache der afrikanischen Sklaven bzw. ihrer Nachfahren – in Pin Point, etwas außerhalb der Innenstadt, haben wir dazu ein interessantes Museum – eine ehemalige Krabbenfabrik – besucht. Da gab es einen Baum mit blauen Flaschen, in denen die bösen Geister gefangen werden sollen.

Das Pin Point Heritage Museum mit dem afrikanischen Flaschenbaum.

Die Südstaatenschönheit und das Blau: Ich verstehe nun auch, was es mit der hellblauen Farbe (Haint Blue) an den Veranden und Fensterrahmen der Häuser im Süden, besonders in Georgia, auf sich hat. Ehemals wurde die Farbe mit Pigmenten des auf den hiesigen Plantagen angebautem Indigo hergestellt und – ein Erbe ebenfalls der afrikanischen Gullah-Kultur – sie soll das Haus vor bösen Geistern schützen…

2 Gedanken zu „Südstaatenschönheit“

  1. Hallo Katja, man hört heraus wie schön es war und mach neugierig auf mehr davon. Wie jedes Mal sehr inspirierend, wie uns mit nimmst auf die Reise, das sind sehr schöne Momente. Sei ganz lieb gegrüßt Ralf& Heike

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