Gänsehaut beim Tattoo

Irgendwann im letzten Sommer joggte ich an einem Sonntagmorgen am Strand entlang. Plötzlich ertönte von irgendwoher Lautsprechermusik. Die frühen Strandspazierer und ihre Hunde um mich herum blieben da auf einmal wie angewurzelt stehen und starrten ehrfürchtig geradeaus. Oder lächelten versonnen. Heute weiß ich, dass ich ein schrecklich respektloser Banause gewesen war, indem ich unbekümmert weiterrannte. Es war die amerikanische Nationalhymne, die da gespielt wurde. Sie weckt uns seither jeden Sonntag. Die Quelle der Musik hat sich mir bisher noch nicht ganz erschlossen; vermutlich kommt sie aber von der benachbarten Military Base. Die Nationalhymne wird hier in den USA zu allen möglichen Anlässen – ob vorm Spendenlauf an der Schule, vorm Baseballspiel oder eben sonntags in East Beach –  wie selbstverständlich gespielt. Die Etikette verlangt, dass man aufsteht und sein Baseball Cap absetzt. Viele Amerikaner legen sich beim Mitsingen sogar die Hand aufs Herz. Es beeindruckt mich immer wieder sehr und jetzt bleibe auch ich ehrfürchtig stehen und lächele versonnen, weil ich in diesem Land leben darf. Aber gestern habe ich zum ersten Mal dabei eine Gänsehaut bekommen! „Gänsehaut beim Tattoo“ weiterlesen

Erschöpfung

Der Alltag hat uns nach den Osterferien schnell wieder eingeholt. Die unzähligen Kinder-Shuttletouren und Diskussionen um Hausaufgaben, Bettgehzeiten, Medien und Lehrergespräche. Der Haushalt, der nie enden will, obwohl mich Hugo-Attila, unser Staubsauger-Roboter im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützt :-). In Deutschland haben wir uns – weil ich arbeiten war – eine Haushaltshilfe geleistet. Jetzt putze ich vier Bäder; eine Maid (wie die amerikanischen Putzfeen sich nennen) zu bestellen, würde sich irgendwie komisch anfühlen, erst recht in einer Siedlung, in der die Frauen, die Maids haben, berufstätig oder Pensionärinnen sind. „Erschöpfung“ weiterlesen

Bei den Red Sox!

Ich weiß nicht, was wir uns dabei gedacht haben :-), aber plötzlich steckten wir mit dem Cruise-America-Wohnmobil, im dicksten Stadtverkehr in Downtown Boston fest! Kurzfristig hatten wir uns im Internet unsäglich teure Karten für das Spiel der Boston Red Sox gegen die Pittsburg Pirates besorgt, welches am Donnerstag, den 13. April um kurz nach 2 im berühmten Fenway Park stattfand. Wir hatten natürlich auch nicht beachtet, dass bereits Stunden vorher im weiten Umkreis um das mitten in der Stadt liegende Stadion sämtliche Parkplätze garantiert keinen Platz mehr für ein 30 Feet großes RV (Recreational Vehicle) zur Verfügung haben und so einige Menschentrauben zum Spiel unterwegs sein würden. Ich bewundere Christian immer noch für seine Nervenstärke und Geistesgegenwart, wodurch wir das Wohnmobil dann doch in einer Nebenstraße in noch einigermaßen fußläufiger Entfernung zum Fenway Park abstellen konnten (und glücklicherweise dafür keine Parkknolle bekamen). Baseball ist für den Amerikaner wahrscheinlich so etwas wie Karneval für den Rheinländer. Man wächst damit auf und das Tolle daran, ist vor allem das ganze Drumherum, das Tamtam, die Mützen und das Bier. „Bei den Red Sox!“ weiterlesen

Imposante Wasserfälle – ein Nachtrag :-)

Ich muss mich ein bisschen korrigieren! Christian meint, das Spektakuläre und Beeindruckende der Niagarafälle kommt in meinem vergangenen Beitrag nicht richtig zum Ausdruck! Es stimmt – als ich ihn geschrieben habe, hat wohl eher die ernüchterte Stimmung überwogen. Offensichtlich habe ich über dem ganzen, nicht ganz so wunderschönen Drumherum ein wenig das Eigentliche – das faszinierende Naturschauspiel – im wahrsten Sinne des Wortes aus den Augen verloren. Denn natürlich: Es ist imposant und überwältigend, die tosenden Wassermassen in die Tiefe stürzen zu sehen! „Imposante Wasserfälle – ein Nachtrag :-)“ weiterlesen

Viel Wasser und ein bisschen Woodstock

Oft ist es das Unerreichbare, das wahnsinnig interessant und erstrebenswert scheint und manchmal ist es so, dass eine eigenartige Ernüchterung einsetzt wenn sich die kühnsten Träume irgendwann dann doch erfüllen. Gestern morgen waren wir sozusagen die naiven Niagarafall-Teenager, die trotz der Vorwarnungen von Freunden, Nachbarn und Reiseführer ihre eigenen Erfahrungen machen wollten: Niagara ist hässlich. Die wunderbare Landschaft ringsum das spektakuläre, faszinierende und eigentlich wunderschöne Naturereignis ist verschandelt mit klobigen Hotels, kitschigen Kasinofassaden, abgewrackten Saurierparks und leider auch Plastikregenponchos in den Baumwipfeln. Nachdem wir auf der kanadischen Seite eine Bootsfahrt am Fuß der Fälle mitgemacht haben, die ziemlich spaßig (es wurden ja alle naß) und natürlich auch sehr beeindruckend war und eine Tour in den feuchten Tunneln hinter den Wasserfällen, waren wir durchgefroren und angeödet vom Touristen-Rummel und Bling-Bling. „Viel Wasser und ein bisschen Woodstock“ weiterlesen