Wetterleuchten

Die Crape Myrtles sind nun in voller Blüte und es ist schwer, gerade jetzt gehen zu müssen. Ich liebe den heißen Norfolk-Sommer. Die süßlich-schwere Luft, der ohrenbetäubende Zikadengesang und die trödeligen Tage am Strand oder Pool werden mir fehlen. Und doch habe ich neulich bei meinem Morgenlauf nicht ganz leugnen können, dass es vielleicht auch sein Gutes hat, bald wieder in einem weniger schwülen Klima trainieren zu können. Vielleicht hat es ebenso sein Gutes, auch wieder in einem gesellschaftlichen und politischen Klima zuhause zu sein, dass nicht immerzu so extrem und so exhausting – erschöpfend – ist… So emotionengeschwängert die letzten Wochen waren, so schwer die Abschiede fielen und so weh uns allen ums Herz ist, so unbefriedigend ist es nun aber auch irgendwie, dass unser Rückflug nach Deutschland, der heute hätte gehen sollen, gecancelt wurde und wir nun einen weiteren Tag in der Warteschlaufe hängen.

„Wetterleuchten“ weiterlesen

America, bittersweet

Es ist fast schmerzhaft zuzugeben, wie schnell man bereit ist zu vergessen – nein, nicht vergessen, aber zumindest einen Schleier über zur „Normalität“ gewordene schreckliche Ereignisse zu legen und sich anderem zuzuwenden… Am Freitag hat es hier bei uns, genau genommen in der Stadtverwaltung von Virginia Beach, eine Massenschießerei gegeben, bei der 12 Menschen gestorben sind. Es hat für nationale und internationale Schlagzeilen gesorgt und die Gemeinde steht unter Schock. Morgen soll auch in den Schulen in Norfolk aus Solidarität Blau getragen werden.

„America, bittersweet“ weiterlesen

California still on my mind

In mir ist eine eigenartige Unruhe, eine Art Himmelhoch-jauchzend-zu-Tode-betrübt in leichter Ausführung. Es mögen die warmen Frühlingsnächte sein, die nach draußen locken – auf Norfolks Dachterrassen und Downtown-Straßen, an den Strand und in unseren kleinen Innenhof, in dem wir wieder die frisch geschlüpften Täubchen beobachten können (dieses Jahr sind sie allerdings ganz schön spät dran). Ein bisschen kann man der Luft schon anfühlen, dass die Abende bald wieder schwül und heiß werden und jegliche Aktivitäten draußen anstrengend. Und dennoch kann ich es kaum erwarten. Ich werde die Norfolk-Sommer sehr vermissen – wenn es nach Meer riecht und Hortensien, Haare und Nägel wachsen und ein Besenstiel, wenn man nicht aufpasst, im Garten Wurzeln schlägt, wie Christian immer sagt…

„California still on my mind“ weiterlesen

Wechselwetter

Winterstimmung in Washington, D.C. Hier waren wir vor über zwei Jahren, als wir zum ersten Mal in Washington waren.

Es ist ein frostiger Sonntagmorgen aber davon bekomme ich nicht viel mit – ich sitze schläfrig und schwitzend in der überheizten Schwimmhalle; Gretas Wettkampf beginnt in wenigen Minuten. Wie immer bei Sportveranstaltungen werden wir vor Beginn innehalten, die meisten mit der rechten Hand auf der Brust; man blickt zur amerikanischen Flagge und die Nationalhymne wird abgespielt. Selbst wenn die Musik aus der Konserve kommt – immer irgendwie rührt es mich. Und irgendwie wird mir das fehlen, glaube ich. In den letzten Wochen ist Amerika jedoch wieder durch schwierige, bedrückende Zeiten gegangen (wenn man überhaupt sagen kann, dass es in den letzten zwei Jahren irgendwann einmal nicht bedrückend war). Der Government Shutdown, den die Trump-Regierung aufgrund des Finanzierungsstreits um die Mauer an der Mexikogrenze bereits im Dezember initiiert hatte – der längste in der Geschichte der Vereinigten Staaten – hat viele Familien in Verzweiflung getrieben und die Arbeit wichtiger Institutionen, wie des Wetterservices (in einem Land, das ständig von Naturkatastrophen bedroht wird), der Küstenwache und der Flugsicherheit, nahezu zum Erliegen gebracht. Flüge an der Ostküste wurden massenhaft gecancelt und in den Nationalparks sammelte sich der Müll.

„Wechselwetter“ weiterlesen

Florence Comes To Town und ein guter Anfang

Ein Biest hat sich zu Besuch in Norfolk angekündigt. Die Menschen stocken Lebensmittel und Benzinvorräte auf und mancherorts werden Wasserflaschen knapp. Veranstaltungen werden abgeblasen und die Schulen sind zu – über South Carolina tobt Florence bereits. Für einige Teile der Stadt herrscht Evakuierungsgebot – erstaunlicherweise befindet sich East Beach jedoch nicht in der flutgefährdetsten Zone, aber wenn angrenzende Straßenzüge unter Wasser stehen, kommt man auch nicht mehr in unsere Neighborhood oder aus ihr heraus. Viele Menschen verlassen die Gegend bereits und auch wir überlegen, zu verreisen. Denn mit Kategorie-IV-Hurricane Florence ist nicht zu spaßen.

Noch herrscht jedoch Ruhe vor dem Sturm – nicht mal die Zikaden kreischen wie sonst; es herrscht herrliches Spätsommerwetter. Doch irgendwie liegt Nervosität in der Luft. „Florence Comes To Town und ein guter Anfang“ weiterlesen