Wetterleuchten

Die Crape Myrtles sind nun in voller Blüte und es ist schwer, gerade jetzt gehen zu müssen. Ich liebe den heißen Norfolk-Sommer. Die süßlich-schwere Luft, der ohrenbetäubende Zikadengesang und die trödeligen Tage am Strand oder Pool werden mir fehlen. Und doch habe ich neulich bei meinem Morgenlauf nicht ganz leugnen können, dass es vielleicht auch sein Gutes hat, bald wieder in einem weniger schwülen Klima trainieren zu können. Vielleicht hat es ebenso sein Gutes, auch wieder in einem gesellschaftlichen und politischen Klima zuhause zu sein, dass nicht immerzu so extrem und so exhausting – erschöpfend – ist… So emotionengeschwängert die letzten Wochen waren, so schwer die Abschiede fielen und so weh uns allen ums Herz ist, so unbefriedigend ist es nun aber auch irgendwie, dass unser Rückflug nach Deutschland, der heute hätte gehen sollen, gecancelt wurde und wir nun einen weiteren Tag in der Warteschlaufe hängen.

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California still on my mind

In mir ist eine eigenartige Unruhe, eine Art Himmelhoch-jauchzend-zu-Tode-betrübt in leichter Ausführung. Es mögen die warmen Frühlingsnächte sein, die nach draußen locken – auf Norfolks Dachterrassen und Downtown-Straßen, an den Strand und in unseren kleinen Innenhof, in dem wir wieder die frisch geschlüpften Täubchen beobachten können (dieses Jahr sind sie allerdings ganz schön spät dran). Ein bisschen kann man der Luft schon anfühlen, dass die Abende bald wieder schwül und heiß werden und jegliche Aktivitäten draußen anstrengend. Und dennoch kann ich es kaum erwarten. Ich werde die Norfolk-Sommer sehr vermissen – wenn es nach Meer riecht und Hortensien, Haare und Nägel wachsen und ein Besenstiel, wenn man nicht aufpasst, im Garten Wurzeln schlägt, wie Christian immer sagt…

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Südstaatenschönheit

Live Oaks Alley an der Wormsloe Historic Site in Savannah.

Ich kämpfe mit Schläfrigkeit, während ich die Sonne genieße, die mir durch die Windschutzscheibe auf die Nase scheint und die riesigen Billboards (Werbetafeln) neben der Interstate zur Kenntnis nehme, die hier in North Carolina übermäßig mit christlichen Botschaften bedruckt sind: In fetten Lettern, werde ich daran erinnert, dass Jesus mich rettet und dass ich meine Feinde lieben soll. Ich weiß gar nicht, ob ich Feinde habe, aber mir gefällt es immer wieder, bei unseren Reisen die Billboards zu studieren, die in jedem Bundesstaat etwas andere Schwerpunkte haben. Das nächste übergroße Schild preist einen Erotik-Superstore an und einige Tafeln erinnern sogar noch mit einem eindringlichen „VOTE!“ an die Midterm-Wahlen vom November… Wir sind auf dem Weg zurück nach Norfolk, die I-95 geht es nach Norden und diesmal läuft der Verkehr flüssig.

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Wo Forrest Gump war

Ice Skating in New York City.

Wir sind wieder unterwegs! Wie im letzten Jahr und auch im Jahr davor ist die Weihnachtszeit in Amerika für uns Reisezeit. In der kurzen Zeit, die wir in den USA leben, haben wir wohl mehr Orte gesehen und mehr Meilen zurückgelegt als die meisten seiner Einwohner und die meisten unserer amerikanischen Freunde und Bekannten. Ich sage dann oft, dafür ist unsere Zeit in diesem Land nur begrenzt und eines Tages wird es wieder einen Flug von Europa brauchen, um hier sein zu können. Und vielleicht die Abwägung, ob wir es uns leisten können und wollen oder ob wir nicht dann doch ein anderes Ziel ins Auge fassen… (Ich hoffe jedoch, uns werden Sehnsucht, Neugier und Freundschaften in erster Linie immer wieder hierher zurückbringen.) Aber ja, wir sind gewissermaßen privilegiert und haben hier und jetzt Möglichkeiten, für die ich sehr dankbar bin. Im Büro haben wir den 24. Dezember ausnahmsweise in diesem Jahr freibekommen. Dank meiner flexiblen Arbeitsbedingungen jedoch (Christian genießt ja seine deutsche Urlaubsregelung) können wir die schulfreien Tage zwischen Weihnachten und Neujahr nutzen, um noch einige Punkte auf unserer Bucket List abzuhaken. Und auf dieser steht noch Savannah, Georgia. Da wo Forrest Gump auf einer Bank seine Geschichte erzählt hat und Pralinen verteilte. Eine Südstaatenstadt von der jeder, den wir gefragt haben, begeistert ist. Knapp acht Stunden beträgt die Autofahrt von Norfolk, es ist sonnig und ich bin guter Dinge. Christian ist etwas vom vielen Verkehr genervt – Weihnachtsreisende wie wir. In Savannah ist zwar Regen angekündigt aber immerhin werden es um die 20°C sein!

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Cowboyherz, Kaktusliebe und ein bisschen Drama

Nach drei Wochen Reisezeit befinden wir uns nun auf dem letzten Stück unseres Roadtrips. Von Texas geht es innerhalb von vier Tagen über Arkansas und Tennessee zurück nach Norfolk, Virginia. Manchmal schleicht sich nun schon ein Gedanke an zuhause ein und an das Schuljahr das bevorsteht. Aber noch sind wir Reisende… Im historischen Bergkurort Hot Springs halten wir und tauchen unsere Hände in das verblüffend heiße Wasser der sprudelnden Brunnen. Wir übernachten in Memphis und spazieren durch die sonntagmorgendliche Innenstadt. Die Hitze ist deutlich schwüler, es riecht nach Pisse und Stadtangestellte auf Fahrrädern scheuchen Obdachlose von ihren Schlafplätzen. Ich fotografiere bunte Wandbemalungen und die Fassaden im leergefegten Entertainmentviertel. „Cowboyherz, Kaktusliebe und ein bisschen Drama“ weiterlesen