Cowboyherz, Kaktusliebe und ein bisschen Drama

Nach drei Wochen Reisezeit befinden wir uns nun auf dem letzten Stück unseres Roadtrips. Von Texas geht es innerhalb von vier Tagen über Arkansas und Tennessee zurück nach Norfolk, Virginia. Manchmal schleicht sich nun schon ein Gedanke an zuhause ein und an das Schuljahr das bevorsteht. Aber noch sind wir Reisende… Im historischen Bergkurort Hot Springs halten wir und tauchen unsere Hände in das verblüffend heiße Wasser der sprudelnden Brunnen. Wir übernachten in Memphis und spazieren durch die sonntagmorgendliche Innenstadt. Die Hitze ist deutlich schwüler, es riecht nach Pisse und Stadtangestellte auf Fahrrädern scheuchen Obdachlose von ihren Schlafplätzen. Ich fotografiere bunte Wandbemalungen und die Fassaden im leergefegten Entertainmentviertel. „Cowboyherz, Kaktusliebe und ein bisschen Drama“ weiterlesen

Menschen in bizarren Landschaften

Diesen Beitrag veröffentliche ich mit fast einer Woche Verzögerung. Unsere Reise hatte uns ab letztem Dienstag weiter nach Westen, in die Nationalparks Zion, Bryce Canyon und Grand Canyon, geführt und eine Internetverbindung war eher sporadisch vorhanden. Dafür wachten wir morgens mit Elchen auf dem Zeltplatz auf und krochen abends mit einem überwältigenden Sternenhimmel in unsere Schlafsäcke. Die Klamotten rochen nach Lagerfeuer. Was braucht es mehr?

Unser Road Trip zeigt, was man in den USA misst – und vielleicht manchmal vergisst – wenn man nicht gerne und lange Auto fährt: Die merkwürdigsten, malerischsten und einsamsten Orte, an denen Menschen leben und arbeiten, und an denen man rasten und für die Nacht bleiben kann. Den letzten Zwischenstopp vor der Weite des Westens machten wir irgendwo im gefühlten Nirgendwo, in Limon, was nicht viel mehr als eine Straßenkreuzung an der Grenze von Kansas und Colorado ist. „Menschen in bizarren Landschaften“ weiterlesen

Virginias wonnige Maitage und manche Erkenntnisse

In Virginia hat die Jahreszeit begonnen, von der Christian sagt, wenn man einen Besenstiel vor die Tür stellt, schlägt er unverzüglich Wurzeln :-). Es ist die Zeit der heißen Strandnachmittage und feuchtwarmen Morgenstunden. Manchmal regnet es tagelang ohne Unterlass und wir waten im Hof durchs knöcheltiefe Wasser. Nachts muss die Klimaanlage nun wieder durchlaufen. Die Taubenfamilie, die auch letztes Jahr das Nest an der Satellitenschüssel im Garten bezogen hatte, hat in diesem Jahr erfolgreich zwei Junge großgezogen – wir waren ein bisschen traurig, als die Kleinen nach ein paar Wochen schon das Nest wieder verlassen haben. Den Tomaten und Erdbeeren, der Minze, dem Salbei, der Klematis und den Hortensien kann man beim üppigen Gedeihen, Ranken und Wetteifern förmlich zusehen. Ich habe das Salz vom letzten Jahr von den Fenstern gewaschen und kehre zweimal am Tag ein Schäufelchen Sand aus dem Haus. Eben waren es noch Frühlingsfeste – nun feiern wir schon wieder Sommerpartys und Abschiede mit Freunden… „Virginias wonnige Maitage und manche Erkenntnisse“ weiterlesen

Von Sehnsucht nach Mausohren, einer beinahe perfekten Welt und Celebration

Drei Tage  Micky Maus und Fake-Sonnenuntergänge – dann sind wir bei sehr realen 30°C Außentemperatur auf der ebenfalls sehr real verstauten Interstate 95 weiter nach Süden gefahren, in Richtung Everglades. Ein bisschen Feenstaub schien jedoch noch am Ärmel kleben geblieben zu sein: Walt Disney World ist ein Erlebnis, das nachwirkt – auf jeden Fall! Die perfekte Inszenierung – insbesondere des Magic Kingdoms – ist faszinierend und berauschend zugleich. Vom riesigen Besucherparkplatz aus setzt man mit einer nostalgischen Fähre ins Wunderland über und sobald man seinen Boden betritt (und die strengen Sicherheitskontrollen hinter sich gebracht hat), ist die Außenwelt quasi vergessen. Stattdessen taucht man förmlich ein in eine heile, durchorganisierte Welt – eine Welt aus Zuckerwatte, Luftballons, Funkelglitzer und Blasmusik.  „Von Sehnsucht nach Mausohren, einer beinahe perfekten Welt und Celebration“ weiterlesen

Festgefrorene Zeit

Über die USA-Ostküste macht sich zurzeit ein Blizzard her und so fällt heute und möglicherweise auch morgen die Schule aus. Eine unerwartet kurze Woche und ein langes Wochenende! (Es wird wie im letzten Jahr allerdings seinen Preis haben – irgendwann wird Norfolk Public Schools Brückentage streichen und die ausgefallenen Schultage nachholen lassen.) Unsere halbe Neighborhood hat keinen Strom und in unserem Haus geht daher die Heizung auch nicht. Ohnehin hat sie sich bei den frostigen Temperaturen der letzten Tage eher divenhaft verhalten – es wurde nur in den oberen Etagen warm. Wieder einmal haben wir die undurchdachte Haustechnik, den zugunsten einer fancy Kristallkugel-Leuchte abmontierten Deckenventilator im Wohnzimmer (den wir eigentlich Sommer wie Winter dringend bräuchten, um einen vernünftigen Luft- und Temperaturwechsel zu erzeugen) und die quasi nicht vorhandene Hausdämmung verflucht. Vorgestern hatten wir morgens eine eingefrorene Wasserleitung. Christian hat übrigens auch gerade etwas unwirsch feststellen müssen, dass jemand die Motorkontrollleuchte im Chevrolet ausgebaut hatte. In Amerika geht immer solange alles gut, bis es eben nicht mehr geht…  „Festgefrorene Zeit“ weiterlesen