Wetterleuchten

Die Crape Myrtles sind nun in voller Blüte und es ist schwer, gerade jetzt gehen zu müssen. Ich liebe den heißen Norfolk-Sommer. Die süßlich-schwere Luft, der ohrenbetäubende Zikadengesang und die trödeligen Tage am Strand oder Pool werden mir fehlen. Und doch habe ich neulich bei meinem Morgenlauf nicht ganz leugnen können, dass es vielleicht auch sein Gutes hat, bald wieder in einem weniger schwülen Klima trainieren zu können. Vielleicht hat es ebenso sein Gutes, auch wieder in einem gesellschaftlichen und politischen Klima zuhause zu sein, dass nicht immerzu so extrem und so exhausting – erschöpfend – ist… So emotionengeschwängert die letzten Wochen waren, so schwer die Abschiede fielen und so weh uns allen ums Herz ist, so unbefriedigend ist es nun aber auch irgendwie, dass unser Rückflug nach Deutschland, der heute hätte gehen sollen, gecancelt wurde und wir nun einen weiteren Tag in der Warteschlaufe hängen.

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Anders…

Ich gebe zu, dass ich – nicht selten damit hadernd, dass sich meine 30er Jahre nun langsam aber sicher dem Ende nähern :-(- doch meistens ganz froh bin, dass wochenendliche Ausflüge zu Kinder-Tanzauftritten der Vergangenheit angehören :-)! Neulich waren Marta und ich jedoch zu einer Tanz-Performance ihrer Schulfreundin eingeladen – ein Erlebnis, das mich – amerikanischer hätte es kaum sein können – ziemlich beschäftigt hat! Marta und ich waren so ziemlich die einzigen Gäste, die nicht schwarz waren – ein Fakt, den ich eigenartig beruhigend fand – warum sollen wir nicht auch einmal in der „Minderheit“ sein, wo es doch sonst in unseren Kreisen meist andersrum ist?

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America, bittersweet

Es ist fast schmerzhaft zuzugeben, wie schnell man bereit ist zu vergessen – nein, nicht vergessen, aber zumindest einen Schleier über zur „Normalität“ gewordene schreckliche Ereignisse zu legen und sich anderem zuzuwenden… Am Freitag hat es hier bei uns, genau genommen in der Stadtverwaltung von Virginia Beach, eine Massenschießerei gegeben, bei der 12 Menschen gestorben sind. Es hat für nationale und internationale Schlagzeilen gesorgt und die Gemeinde steht unter Schock. Morgen soll auch in den Schulen in Norfolk aus Solidarität Blau getragen werden.

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California still on my mind

In mir ist eine eigenartige Unruhe, eine Art Himmelhoch-jauchzend-zu-Tode-betrübt in leichter Ausführung. Es mögen die warmen Frühlingsnächte sein, die nach draußen locken – auf Norfolks Dachterrassen und Downtown-Straßen, an den Strand und in unseren kleinen Innenhof, in dem wir wieder die frisch geschlüpften Täubchen beobachten können (dieses Jahr sind sie allerdings ganz schön spät dran). Ein bisschen kann man der Luft schon anfühlen, dass die Abende bald wieder schwül und heiß werden und jegliche Aktivitäten draußen anstrengend. Und dennoch kann ich es kaum erwarten. Ich werde die Norfolk-Sommer sehr vermissen – wenn es nach Meer riecht und Hortensien, Haare und Nägel wachsen und ein Besenstiel, wenn man nicht aufpasst, im Garten Wurzeln schlägt, wie Christian immer sagt…

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Leprechauns, beunruhigende SMS und zwischen Hauptstädten

Die Kuppel des Kapitols ist nicht mehr eingerüstet...

Endlich wird es Frühling! Die Azaleen, Magnolien und Zierkirschen stehen in der Blüte und gestern gab es einen atemberaubenden Sonnenuntergang über East Beach. Süßer, exotischer Blütenduft hängt über der Neighborhood und es lockt wieder an den Strand. Langsam wird es auch wärmer, ich bin froh, endlich die Winterstiefel verbannen zu können. Heute morgen war es allerdings frostig kalt und ungemütlich windig, als ich an der Oceanfront in Virginia Beach anlässlich des St. Patricks Days den Shamrock Half Marathon mitgelaufen bin – zwischen gut gelaunten Leprechauns (irischen Kobolden) und grünen Tutus. Ich hatte mir extra ein paar grüne Leggings von treetribe bestellt, einer kalifornische Marke, die Workout Gear aus Recyclingmaterial herstellt. Ein tolles letztes großes Race-Erlebnis für mich in den USA! Ob es mir recht ist oder nicht – von jetzt an müssen solche und andere Events wieder in Deutschland geplant werden. Unsere Tage in diesem Land sind gezählt, unsere letzten Trips und der Umzug nehmen immer mehr Gestalt an. Vielleicht haben wir sogar bald eine Wohnung in Berlin und langsam überlegen wir schon, wie genau wir downsizen. Ein komisches Gefühl – denn obwohl ich wehmütig bin, tut es auch irgendwie gut. Es ist wie Ballast abwerfen. Wer weiß, was die Zukunft bringt, ich bin eigenartig optimistisch…

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